Attentäter im Zug

Bei einer Party am vergangenen Wochenende fragt mich eine junge Frau, was sie wohl machen solle, wenn ihr jemand in einem ICE verdächtig vorkomme. Was sie mit „verdächtig“ meine, frage ich nach. „Na ja, wenn da zum Beispiel einer sitzen würde, der besonders nervös ist, der Schweißperlen auf der Stirn hat und immer an seinem prall gefüllten Rucksack rumfingert“, antwortet sie. Gute Frage, denke ich.

Ich frage nach bei der Pressestelle der Deutschen Bahn: Gibt es „Verhaltensregeln“? Die Antwort auf meine eMail erfolgt recht schnell, telefonisch durch die stellvertretende Pressesprecherin in Hamburg. „Natürlich“ würden die Mitarbeiter immer wieder geschult, sowohl die Zugbegleiter wie auch die Lokführer. Deshalb der erste Rat: „Sprechen Sie den Zugbegleiter an“ – und wenn der nicht zu finden sei, beim nächsten Halt im Bahnhof den Zugführer. „Einfach klopfen.“

Für mich klingt das noch nicht sonderlich überzeugend. Was denn der Schaffner dann machen würde, will ich wissen? „Der ruft die Polizei – das können Sie natürlich auch selbst machen, einfach 110 wählen.“

Ich glaube durchaus, dass die Bahnmitarbeiter auch in Krisenmanagement geschult werden, auch Hilfestellungen an die Hand bekommen, wenn wieder mal ein Irrer wie im September 2016 nahe Würzburg mit Axt und Messer loszieht. Aber reicht das?

Meine nächste Anfrage richtet sich deshalb an die Bundespolizei, die für die Sicherheit in deutschen Zügen verantwortlich ist. Meine Mail geht an die nächstgelegene Regionalpressestelle, die Antwort kommt direkt vom Bundespolizeipräsidium aus Potsdam, und lautet wie folgt:

"Reisende an Bahnhöfen und in Zügen sollten sich weiterhin
normal verhalten und Auffälligkeiten,
Feststellungen oder Unregelmäßigkeiten der Polizei melden.
Bei Fragen oder verdächtigen Wahrnehmungen können sich
Reisende jederzeit an die kostenfreie Bundespolizei-Hotline
unter der Telefonnummer 0800 6 888 000 oder jede andere
Polizeidienststelle wenden bzw. im Notfall an die 110."

Die Sicherheitsmaßnahmen würden ansonsten stehts den aktuellen Bedürfnissen angepaßt, um Anschäge zu vereiteln. Details werden naheliegender Weise nicht genannt.

Während in Flugzeugen sogenannte „Air-Marshals“ mitsamt Waffe mitfliegen (was in 10.000 Metern Höhe für mich höchst fragwürdig ist), bleibt die Bahn also unbewaffnet auf der Schiene. Okay. Die Antwort an die Party-Bekanntschaft lautet somit – wie an uns alle: Augen offenhalten und notfalls 110 wählen!