Friedliche Wahlen lassen hoffen

Freetown. „Einheit, Freiheit, Gerechtigkeit“, so lautet der Wahlspruch Sierra Leones. Die heutigen Präsidentschafts- und Parlamentswahlen lassen Hoffnung aufkommen, dass dieser Leitsatz mehr und mehr Wirklichkeit werden könnte. Im Vorfeld des Urnenganges hatten viele Gewalt oder gar ein erneutes Aufflammen des 2002 beendeten Bürgerkrieges befürchtet, doch bis zur Schließung der Wahllokale um 18 Uhr Ortszeit ist nach unseren Informationen alles ruhig geblieben. Zur Wahl aufgerufen waren 3,1 Millionen Wahlberechtigte. Für das Präsidentenamt gab es 16 Kandidaten, darunter zwei Frauen.

Der seit einem Jahrzehnt amtierende Präsident Ernest Koroma vom „All People’s Congress“ (APC) durfte gemäss der Verfassung nicht wieder antreten. Der APC und die oppositionelle „Sierra Leone People’s Party“ (SLPP) dürften den Sieg nach Einschätzung aller politischen Beobachter unter sich ausmachen. Die beiden Parteien beherrschen seit jeher das politische Leben in dem kleinen westafrikanischen Land, das zu den ärmsten der Welt gehört.

Der APC schickte den unter Korruptionsverdacht stehenden ehemaligen Außenminister Samura Kamara (66) ins Rennen. Für die SLPP trat der 53jährige Julius Maada Bio an. 1996 hatte der damalige General den Militärmachthaber Valentine Strasser gestürzt und bis zur ersten freien Wahl in Sierra Leone wenige Monate später vorübergehend die Regierungsgeschäfte geführt. Die SLPP setzte im Wahlkampf vor allem auf die Themen Bildung und Ernährung, während der APC Jugendarbeitslosigkeit und Beschäftigung in den Mittelpunkt rückte. Erste Wahlergebnisse werden in den kommenden zwei Tagen erwartet.

Die Wahlen gelten als Test für die demokratische Konsolidierung Sierra Leones, wo in den Jahren 1991 bis 2002 ein blutiger Bürgerkrieg mit etwa 120.000 Toten wütete. Das Nachbarland Liberia hatte unlängst vorgemacht, wie eine friedliche Machtübergabe funktionieren kann.

Text: Lars Bessel

Fotos: Wahlkampfveranstaltung des APC in Makeni / Aufbau einer Wahlurne in Kono am heutigen Tag (Mohammed Alves Gbembo)

 

Nachtrag (05.04.18): Sierra Leone hat gewählt – und einen friedlichen Machtwechsel vollzogen -> Bericht „africanews“